Norwegen zum Fünften

Friday, January 18, 2019

Norwegen zum Fünften

 

Norwegen wird seiner Favoritenrolle gerecht und gewinnt den Staffelwettkampf in Ruhpolding zum fünften Mal hintereinander. Die deutschen Männer rehabilitieren sich für das schlechte Ergebnis in Oberhof und werden guter Zweiter vor Frankreich, das im Schlussspurt den Österreichern den Podestplatz vor der Nase wegschnappte.

 

Norwegen gewinnt. Das war „the same procedure as every year“. Schon zum fünften Mal in Folge überquerte die norwegische Männerstaffel in der Chiemgau-Arena als erste die Ziellinie. In Bestbesetzung antretend lagen die Norweger bei jedem Wechsel in Führung. Die allerdings wackelte ausgerechnet am Ende bedenklich. Nach dem letzten Schießen lag nämlich die DSV-Staffel sensationell in Führung. Benedikt Doll brauchte stehend nur einen Nachlader, Johannes Thingnes Boe dagegen drei. Doll ging Sekunden vor Boe in die Schlussrunde. Das flache Stück hinter der Tribüne ließen es die beiden noch ruhig angehen. Kurz vor dem Schießstandberg arbeitete sich Boe langsam vor, um kurz vor Ende des Anstiegs einen unwiderstehlichen Zwischenspurt einzulegen, dem Doll nichts entgegenzusetzen hatte. Schnell waren zehn Sekunden herausgelaufen. Das Rennen um den Sieg war entschieden. „Ich hätte stehend fehlerfrei bleiben müssen, dann hätte ich eine Chance gehabt. Vielleicht auch, wenn es zum Zielspurt gekommen wäre. Aber wenn er (Boe) auf der Strecke loslegt, bin ich chancenlos“, so Benedikt Doll nach dem Wettkampf.

 

DSV-Staffel durchgehend stark

Das deutsche Team gab nach dem Ausrutscher in Oberhof die richtige Antwort. Das Fehlen von Erik Lesser und Simon Schempp machte sich nicht bemerkbar. Roman Rees blieb als Startläufer ohne Nachlader und übergab als Sechster nur eine Sekunde hinter den führenden Norwegern. „Vor dem Start war ich sehr nervös, aber als es losging, war das vorbei. Für mich lief es optimal“, so Rees. Er schickte Johannes Kühn auf die Runde, der hier in Ruhpolding in der Staffel 2016 drei Strafrunden drehen musste und auch im Dezember in Hochfilzen nicht ohne Extrameter auskam. Diesmal machte er seine Sache viel besser, auch wenn er stehend alle drei Nachlader benötigte: „Ich konnte alles gut ausblenden und fühlte mich ziemlich sicher. Mich ärgert, dass sich gleich drei Nachlader brauchte.“ Er traf vier Scheiben auf Anhieb, und „der fünfte Schuss war ganz knapp vorbei“, bestätigte nach dem Wettkampf Bundestrainer Mark Kirchner, „da hatte er auch Pech.“ Läuferisch ist Johannes Kühn super drauf, das bewies er schon beim Sprint. In der letzten Runde konnte erden Rückstand auf Norwegen um 15 Sekunden verringern.

 

Peiffer und Landertinger holen auf

In einer Gruppe mit knapp einer halben Minute hinter Norwegen machte sich Arnd Peiffer auf die Verfolgungsjagd. Zusammen mit Dominik Landertinger rückte er Tarjei Boe immer näher. Der nach dem Rennen zugab, dass ihn die beiden sichtlich nervös machten. Stehend brauchte der Norweger zwei Nachlader, Peiffer und Landertinger blieben fehlerfrei. Den restlichen Rückstand holten sie in der Schlussrunde auf. Johannes Thingnes Boe, Julian Eberhard und Benedikt Doll legten zusammen als Schlussläufer los. Nach dem Liegendanschlag musste Eberhard, der drei Nachlader benötigte, die Konkurrenten ziehen lassen. Boe blieb fehlerfrei, schoss aber langsamer als Doll. Auch der Stehendanschlag brachte keine Entscheidung. Boe traf früher am Schießstand ein, brauchte aber drei Nachlader. „Ich hatte echte Bedenken, dass ich in die Strafrunde müsste. Ich war heilfroh, als die letzte Scheibe fiel“, gestand er später. Knapp hinter Benedikt Doll ging in die Schlussrunde. Der knappe Rückstand war schnell aufgeholt. Der Rest ist bekannt.

 

Bundestrainer Mark Kirchner: „Tadellos“

Auch wenn es kurze Zeit so aussah, als könnte Deutschland sogar als Sieger hervorgehen, mit dem zweiten Platz waren nicht nur die Athleten, sondern auch Bundestrainer Mark Kirchner hoch zufrieden. „Die Mannschaft hat eine sehr gute Leistung abgeliefert. Roman Rees tadellos, und Johannes Kühn hatte auch ein bisschen Pech.“ Weniger Nachlader als das DSV-Team, nämlich sechs, brauchten nur die Ukrainer. Welch krasser Gegensatz zum Ergebnis von Oberhof mit 17 Nachladern und zwei Strafrunden!

 

Frankreich Dritter vor Österreich

Im Kampf um Platz drei mussten die Österreicher am Ende sogar nach den Franzosen den Vortritt lassen. Simon Desthieux lieferte als Schlussläufer eine grandiose Vorstellung ab, war schneller als Boe, Doll und Loginov und überspurtete kurz vor dem Ziel noch den laufstarken Julian Eberhard, der auch stehend drei Nachlader brauchte und den Franzosen in der Schlussrunde einfach nicht abschütteln konnte, obwohl er es immer wieder versucht hatte. „Das war ein echt harter Kampf gegen Julian“, bekannte Desthieux, der als Fünfter auf die Strecke ging und zunächst die Schweden hinter sich ließ. „Es war keine leichte Situation, als ich zum Stehendschießen anfing und die Zuschauer losbrüllten, als Doll und Boe fertig waren.“ Doch der Franzose bewies, dass er starke Nerven hat.

Die Schweden, die lange vorne mithielten, mussten am Ende für das Fehlen des kurzfristig erkrankten Sebastian Samuelsson bezahlen. Peppe Femling musste am Ende auch noch Alexander Loginov ziehen lassen, der die russische Staffel, die diesmal ungewöhnlich schwach schossen und sogar eine Strafrunde absolvieren mussten, noch auf Platz fünf führte.