Wierer kommt in Form

Dorothea Wierer gewann wie schon vor zwei Jahren den Einzelwettkampf in Ruhpolding vor Kaisa Mäkäräinen und der Sensationsdritten Rosanna Crawford aus Kanada.

Donnerstag, Januar 11, 2018

Die DSV-Damen konnten die Erwartungen beim Heim-Weltcup nicht erfüllen. Die kleine Kristallkugel geht an die Weißrussin Nadezhda Skardino.

 

Vor zwei Jahren gewann Dorothea Wierer hier in Ruhpolding den Einzelwettkampf. Gestern wiederholte sie den Coup von damals und gewann ihr viertes Weltcup-Rennen, drei davon im Einzel. Dabei gestand sie damals noch: „Ich mag das Einzel gar nicht. Das ist viel zu weit und dauert zu lange. Ich mag es lieber kurz und schnell: Sprint und Staffel.” Man darf gespannt sein, wie oft sie ein Einzel noch gewinnen muss, bis es wirklich ihre Lieblingsdisziplin ist. Wie damals blieb sie am Schießstand viermal fehlerfrei. „Aber im Einzel“, meinte sie, „muss man auf dem weiten Weg zwischen den Schießeinheiten aufpassen, dass man konzentriert bleibt und die Gedanken nicht abschweifen lässt.“ Am Schießstand gelang ihr das in der Chiemgau-Arena wieder einmal sehr gut, obwohl sie zu Beginn der Saison mit ihrer Performance am Schießstand gar nicht zufrieden war. Doch das lag sicher auch an der Krankheit, die sie wochenlang mitschleppte, zu früh wieder loslegte und an Weihnachten einen Rückfall erlitt. Jetzt aber kommt sie immer besser in Form, auf der Loipe und im Anschlag. Den Beweis lieferte sie gestern.

 

Mäkäräinen zum Geburtstag Zweite

Duplizität der Ereignisse: Auch die Zweitplatzierte hieß 2016 schon Kaisa Mäkäräinen. Mit dem Podestplatz machte sie sich selbst ein schönes Geburtstagsgeschenk. Denn die Finnin wurde gestern 35 Jahre alt. „Ich war an meinem Geburtstag“, den sie alljährlich in Ruhpolding verbringt, „schon oft richtig schlecht. Da ist es auch einmal schön, einen Podiumsplatz zu belegen.“ Schließlich sind die Eltern und Freunde da, um mit ihr zu feiern. „Aber nicht extrem. Hier sind noch ein paar Rennen zu bestreiten.“ Tatsächlich dauerte es sehr lange, bis sie in der Chiemgau-Arena gute Ergebnisse erzielte, doch mit dem zweiten Platz 2016 durchbrach sie den Bann, denn im vergangenen Winter gewann sie hier sogar Sprint und Verfolger.

 

Dritter Platz für Kanada

Nur die Dritte von damals konnte es nicht wieder werden. Gabriela Koukalova wird diesen Winter vermutlich sogar ganz aussetzen. Abgelöst wurde sie von der Kanadierin Rosanna Crawford, die noch nie im Weltcup auf dem Podest stand und deren bisher größter Erfolg der vierte Platz im Sprint von Pokljuka vor drei Jahren war. Die besten Ergebnisse diese Saison waren zwei 39. Plätze im Einzel von Östersund und im Verfolger von Hochfilzen. Ihr dritter Platz ist eine echte Sensation und vergleicht sogar eine noch größere Überraschung als der vierte Platz von Roman Rees tags zuvor. „Ich bin so froh, es ist unbeschreiblich“, meinte Crawford verständlicherweise nach dem Wettkampf. „Ich liebe Ruhpolding.“ Die Kanadier sind fast jeden Sommer hier im Chiemgau im Trainingslager. Das mag auch am Cheftrainer Matthias Ahrens liegen, der aus Kochel am See stammt und immer gerne in seine oberbayerische Heimat zurückkehrt.

 

Skardino gewinnt kleine Kristallkugel

Den Kampf um den Disziplin-Weltcup entschied die Weißrussin Nadezhda Skardino für sich, die in Östersund gewann und in Ruhpolding mit erneut fehlerfreier Schießleistung Siebte wurde. Sie rettete fünf Punkte Vorsprung auf Yuliia Dzhima ins Ziel, die einen dritten (Östersund) und einen vierten Platz (Ruhpolding) belegte.

 

Maren Hammerschmidt beste Deutsche

Die deutschen Damen hatten sich für ihren Heim-Weltcup so viel vorgenommen, aber leider konnte keine die Erwartungen erfüllen. Beste von ihnen wurde Maren Hammerschmidt als 15. mit zwei Schießfehlern liegend: „Ich bin zufrieden, vor allem mit meinem Stehendschießen. Ich fühl mich hier wohl. Leider ging es liegend zu oft daneben.“ Franziska Hildebrand fühlte sich beim Stehendschießen dagegen gar nicht wohl: „Ich war viel zu ängstlich. Und schon ging's daneben. Wenigstens die Laufzeit war in Ordnung.“ Vanessa Hinz (31.), Franziska Preuß (32.), Denise Herrmann (40.) und Laura Dahlmeier (48.) enttäuschten durch die Bank. Dementsprechend der Kommentar von Bundestrainer Gerald Hönig: „Wir haben sechs schuss- und laufstarke Athletinnen und keine kommt beim Heim-Weltcup durch. Das darf uns einfach nicht passieren. Das war auch ein bisschen schlampig.“