Natürlich Norwegen

Der Sieger im Staffelwettkampf von Ruhpolding heißt Norwegen, und das zum vierten Mal in Folge.

Freitag, Januar 12, 2018

In Bestbesetzung war der Sieg am Ende nicht gefährdet. Frankreich mit Martin Fourcade und Russland komplettieren das Siegertreppchen.

 

Die norwegische Staffel wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und fuhr einen sicheren Sieg ein. Von Beginn an waren die Norweger in der Führungsgruppe vertreten. Lars Helge Birkeland, Tarjei Boe und Emil Hegle Svendsen leisteten die Vorarbeit für Johannes Thingnes Boe, der schon in der ersten Runde seine beiden Konkurrenten Antonin Guigonnat aus Frankreich und den Italiener Thierry Chenal distanzierte und mit einem fehlerfreien Liegendschießen den Vorsprung ausbaute. Im Stehendanschlag konnte sich Boe zwei Nachlader locker leisten, um sich in der letzten Runde von den Zuschauern feiern zu lassen. Für Norwegen war es der vierte Sieg in Folge hier in der Chiemgau-Arena.

 

Fourcade macht 40 Sekunden gut

Die Franzosen lagen zunächst ein wenig zurück, doch Martin Fourcade an dritter Position brachte sein Team auf tiefem Geläuf und makellosem Schießen von Platz sieben auf Platz eins, wobei er über 40 Sekunden auf die Führenden gut machte. Nachwuchsmann Guigonnat hielt sich wacker und sicherte den zweiten Platz auf dem Schießstand ab, wo der Italiener Chenal seine gute Position durch eine Strafrunde nach dem Stehendschießen verlor. Italien wurde mit fast zwei Minuten Rückstand nur Siebte.

 

Ricco Groß Dritter mit Russland

Chenals Versagen brachte den Russen schließlich den Podiumsplatz ein. Alexey Volkov, Maxim Tsvetkov sowie die Antons Babikov und Shipulin lieferten vor allem am Schießstand eine starke Leistung ab. Mit nur vier Nachladern waren sie in dieser Hinsicht an diesem Tag die zweitbesten hinter Slowenien (Zehnter mit zwei Nachlader). Ricco Groß darf sich über den ersten Staffelpodiumsplatz seit dem WM-Sieg von Hochfilzen freuen.

 

DSV auf Platz 4

Für Deutschland blieb nur noch der undankbare vierte Platz. Zehn Nachlader waren eindeutig zu viel. Die Strecke war nicht so fest wie noch am Tag zuvor. „Manche waren wohl schon etwas müde“, meinte Mark Kirchner, „Arnd zum Beispiel hat bisher alle Wettkämpfe bestritten. Da war die tiefe Strecke nicht unbedingt förderlich.“ Einzig Erik Lesser konnte vollauf zufrieden sein. Er blieb als Startläufer ohne Fehl und Tadel und wechselte gemeinsam mit Norwegen als Erster: „Ich hab aus den Fehlern vom Einzel gelernt und fühle mich läuferisch in der Verfassung, wo ich ungefähr hinmöchte. Und wenn man sich körperlich gut fühlt, geht es meistens auch im Schießen besser.“ Augenzwinkernd fügte er hinzu: „Außerdem wollte ich beweisen, dass Michael Rösch nicht der beste Startläufer der Welt ist.“ Benedikt Doll war nach dem Wettkampf fix und foxi. „An Tarjei dran zu bleiben, fiel mir sehr schwer, und das hat sich auch auf den Schießstand ausgewirkt.“ Vier Nachlader brachten der deutschen Staffel einen Rückstand von fast einer halben Minute ein. Arnd Peiffer musste als dritter Läufer zweimal nachladen, was zu verschmerzen gewesen wäre, aber auch ihm machte das tiefe Geläuf zu schaffen. „Läuferisch bin ich nicht zufrieden.“

 

Schempp: zu viel Risiko

Er schickte Simon Schempp mit einem Rückstand von fast fünfzig Sekunden und auf Platz auf die Strecke. Dementsprechend gab Schempp ordentlich Gas. Das Podium war durchaus noch möglich. Beim Schießen aber riskierte er zuviel. Zwei Nachlader sorgten dafür, dass er wieder Zeit verlor. Der dritte Platz war nach dem Stehendanschlag und zwei weiteren Fahrkarten endgültig passé. Fünfter wurde Österreich, das kurzfristig ohne Julian Eberhard antreten musste. Sein Ersatz, Oldie Daniel Mesotitsch, fiel als dritter Läufer zurück und raubte dem ÖSV-Team die Chancen aufs Podest. Schweden, der Sieger von Oberhof, tummelte sich lange im breiten Mittelfeld. Erst Schlussläufer Fredrik Lindström gelang noch der Sprung auf Platz 6.