Geänderter Ablauf sorgt für neuen Schwung

Die Bayern-1-Band spielte schwungvolle Live-Musik, Ruhpolding feiert 40 Jahre Biathlon und das schwedische Team plattelte die Ambosspolka

Dienstag, Januar 9, 2018

Der Champions Park war proppenvoll. Um die 5000 Biathlon-Fans fanden sich ein und lauschten zu Beginn der Bayern-1-Band, die in Ruhpolding ihre Biathlon-Weltcup-Premiere feierte. Das milde Wetter entsprach zwar nicht unbedingt der Jahreszeit, zum Zuschauen und Mitfeiern war es allemal geeignet. Zu Beginn hießen die Moderatoren Harry, Geri, Laura und Melitta die Fans zur fünften Ruhpoldinger Jahreszeit herzlich willkommen. Gleich danach marschierten auch schon die ersten Nationen ein. Das österreichische Team war auf der Bühne durch den lange Zeit rückengeplagten Dominik Landertinger sowie Simon Eder vertreten, die beide ihren Fast-Heimweltcup entgegenfiebern. „Vom Kreuz her passt es, die Form darf gerne besser werden“, so Landertinger. Simon Eder, auf Schalke und in Oberhof noch krank, freut sich auch schon auf die Chiemgau-Arena, nachdem er letztes Jahr auch hier krankheitsbedingt fehlte.

Für das kanadische Team sprach der gebürtige Bayer Matthias Ahrens, dass seine Leute voll angreifen wollen und dass er vor allem von der tollen Sicht hier im Chiemgau beeindruckt sei. Im dichten Nebel von Oberhof musste er noch als Mitglied der Rennjury über Abbruch oder Fortsetzung des Wettkampfs entscheiden. Die Französin Marie Dorin-Habert lobte die Stimmung in Ruhpolding als „fantastique“, dann war der erste Nationenblock schon durch.

 

Pichler lobt die Fans, Walch die Gemeinde

Weiter ging's mit Bürgermeister und OK-Chef Claus Pichler und Sigi Walch. „Ein tolles Stadion, die aufwendige Organisation und die großartigen Leistungen der Sportler – das alles wäre nichts ohne die vielen Fans“, so Pichler. Sigi Walch, derzeit Bayerns jüngster Landrat, erinnerte sich an seine Kindheit, als sein Vater noch Stadionsprecher in Ruhpolding war. „Zu Hause drehte sich alles um Biathlon. Es gab nur ein Thema.“ Auch er wisse, dass ohne die vielen freiwilligen Helfer nichts ginge und dankte ihnen ausdrücklich.

Anschließend erzählten die Eheleute Björndalen/Domracheva in einem Einspiel-Video via Leinwand von ihren Erfolgen, die sie in Ruhpolding errangen. Björndalen gewann neben vielen Staffel- auch elf Einzelrennen, wurde 1993 am Fuße des Zirmbergs dreimal Juniorenweltmeister, Domracheva holte hier 2012 ihren ersten WM-Titel. Beide haben nur die besten Erinnerungen an Ruhpolding und kommen immer gerne hierher.

 

Vor 40 Jahren Grundstein gelegt

Erinnert hat sich auch Herbert Fritzenwenger: „Früher war alles schlechter: das Material, das Stadion, die Skier und die Fans. Aber wir haben damals den Grundstein gelegt, dass jetzt alles besser ist.“ 1977 war er als 15-jähriger Bub dabei, als der Wald neben den Sprungschanzen gerodet wurde und die Schießstände errichtet wurden. Ein Jahr später wurde der Biathlon-Cup ausgerichtet, aus dem später der Weltcup hervorging. Schon ein weiteres Jahr danach war Ruhpolding erstmals Austragungsort der WM.

"Oh hier ist es schön“

Nach dem zweiten Block der Nationen gab es eine weitere Premiere. Touristik-Chef und OK-Mitglied Herbert Ringsgwandl und Peter Eichstätt aus Potsdam texteten den Gassenhauer „Oh wie ist das schön“ in „Oh hier ist es schön, so was hat die Welt noch nicht gesehen“ um, dazu noch zwei Strophen. Damit wollen sie am Samstag als größter Biathlon-Chor der Welt einen neuen Rekord aufstellen.

 

Schwedische Amboßpolka

Im dritten und letzten Nationenblock ließen sich Wolfgang Pichler und sein schwedisches Team wieder etwas Besonderes einfallen: Sie plattelten die Amboßpolka. Die Fans waren begeistert und forderten eine Zugabe. Die gab es zwar nicht, aber für den Staffelwettkampf forderte Pichler das Publikum auf, sein Team mit rhythmischem Klatschen so anzufeuern wie die isländischen Fans ihr Fußballteam. Am Ende marschierte das deutsche Team ein, das gerüstet ist für die Wettkämpfe in Ruhpolding. Auch Simon Schempp meldete sich gesund, „aber ob ich richtig fit bin, stellt sich erst im Rennen heraus“.

Das Ende der Eröffnungsfeier gehörten DSV-Präsident Dr. Franz Steimle und Anders Besseberg. Der IBU-Präsident war bei der ersten WM 1979 auch schon da, damals war er Cheftrainer Norwegens. Für ihn zählt Ruhpolding jedes Jahr zu den Höhepunkten der Weltcup-Saison, diesmal auch deshalb, weil es für viele die letzte Chance auf eine Olympiaqualifikation ist. Während er den Weltcup für eröffnet erklärte und die IBU-Fahne gehisst wurde, knallten auch schon die Feuerwerkskörper, die die Eröffnungsfeier abschlossen und den Ruhpoldinger Nachthimmel leuchten ließen.