Norwegen zum Vierten

Freitag, Januar 17, 2020

Auch im vierten Staffel-Wettkampf in diesem Winter war das Quartett aus Norwegen nicht zu schlagen. Die Damen aus Frankreich liefen lange um den Sieg mit, mussten sich aber knapp geschlagen geben. Die Schweiz als Dritte bewiesen, dass die Stockerlplätze zu Beginn des Winters kein Zufall waren. Die DSV-Damen verpassten als Vierte erneut das Podest.

Dass Norwegen gewinnt, war wirklich keine Überraschung. Aber der Sieg fiel wieder knapp aus und war alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Die Startläuferin Karoline Knotten hatte ihre liebe Müh und Not am Schießstand sowie auf der Strecke und handelte sich bereits eine Minute Rückstand auf die führenden Italienerinnen und fünfzig Sekunden auf die Französinnen ein, deren Startläuferin Julia Simon mit nur einem Fehlschuss knapp hinter Lisa Vittozzi übergab.

Die Französinnen kristallisierten sich im Laufe des Wettkampfs als Hauptkonkurrentinnen heraus und lieferten sich mit Norwegen ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg. Ingrid Landmark Tandrevold machte gegenüber Anais Bescond kaum Boden gut, verlor aber auch nichts. Damit gab sie sich nach dem Rennen zufrieden, denn gegenüber Oberhof, wo sie gerade noch eine Strafrunde vermeiden konnte, lief es hier in Ruhpolding deutlich besser. „Heute war ich klar im Kopf, und das war gut.“

Aufholjagd durch Tiril Eckhoff

Und dann kam ja noch Tiril Eckhoff, die eine Dreiviertelminute Rückstand auf Frankreich gut machte, obwohl Celia Aymonier, wahrlich keine schwache Läuferin, am Schießstand auch noch zweimal fehlerfrei blieb. „45 Sekunden Rückstand sind nicht so viel in einer Staffel, und ich habe gelernt, dass man in einer Staffel sowieso nie aufgeben darf“, so die Norwegerin. Dass sie auf Celia Aymonier fast aufgelaufen war, bekam die Französin gar nicht mit: „Wenn man vorne läuft, kümmert man sich nicht darum, was hinter einem geschieht. Ich habe mich auf meinen Wettkampf konzentriert und bin vor allem mit meiner fehlerfreien Stehend-Schießeinlage hochzufrieden.“

Roeiseland setzt sich gegen Braisaz durch

Marte Olsbu Roeiseland und Justine Braisaz liefen gemeinsam die erste Runde. Nach dem ersten Schießen hatte Norwegen die Nase knapp vorne, da Roeiseland nur einen, Braisaz zwei Nachlader benötigte. So hatte die Norwegerin einen kleinen Vorsprung, als sie das Gewehr zum Stehend-Anschlag anlegte. Sie hatte bereits fünf Schuss abgefeuert, da erst begann Braisaz mit dem Schießen. Roeiseland benötigte einen Nachlader und ging zurück auf die Strecke. Braisaz hätte fehlerfrei bleiben müssen, um aufzuschließen, doch auch sie schoss einmal daneben. Damit war der Wettkampf entschieden. Braisaz konnte ihren Rückstand von gut zehn Sekunden kaum verringern. Roeiseland ließ nichts mehr anbrennen und lief zum vierten Sieg der Norwegerinnen in diesem Winter.

Die Französinnen als Zweite lieferten ihr bestes Saisonresultat ab, nachdem sie vor einer Woche in Oberhof mit Platz drei erstmals aufs Podest liefen und zeigen sich ebenfalls glücklich. Justine Braisaz: „Es war gut, dass wir von Beginn an im Spitzenfeld dabei waren. Deutschland scheint ein wirklich guter Platz für uns zu sein.“ Die Staffel-Generalprobe vor der Weltmeisterschaft in Antholz verlief für sie nahezu optimal.

Dritter Podestplatz für die Schweiz

Überglücklich waren auch die Schweizerinnen, die in diesem Winter schon zum dritten Mal aufs Podest liefen. Mit nur vier Nachladern lieferten die drei Gasparin-Schwestern und Lena Häcki nach den Chinesinnen (mit drei Nachladern Neunte) ein sensationelles Ergebnis am Schießstand ab. Elisa Gasparin übergab nur knapp zehn Sekunden hinter Frankreich an ihre Schwester Selina, die liegend einen und stehend zwei Nachlader benötigte, auf der Strecke aber ihren Rückstand vom Schießen fast wett machte. „Ich habe mich total auf die Staffel gefreut. Unsere Trainerin Sandra Flunger hat uns optimal eingestellt.“ Selina übergab mit knapp einer halben Minute Rückstand auf Frankreich an Aita, mit 25 Jahren die jüngste der Schwestern, lieferte am Schießstand eine tadellose Vorstellung und hielt im Ziel, als sie Lena Häcki auf die Reise schickte, den Rückstand auf eine halbe Minute. Allerdings lagen neben Frankreich und Norwegen auch noch Italien und die Ukraine vor der Schweiz. Häcki: „Mein Schießen war perfekt, und das war entscheidend.“ In der Tat. Die Ukraine musste dreimal nachladen, Italien sogar viermal. Die Staffeln fielen auf die Plätze sechs und sieben zurück.

Lena Häcki konnte sich in der Schlussrunde dennoch nicht ausruhen. Zum einen war sie Justine Braisaz auf den Fersen, zum anderen wurde sie von einer entfesselnd laufenden Denise Herrmann bedrängt, die ihr in der Schlussrunde immer näherkam. Häcki konnte froh sein, dass die Runde nur zwei Kilometer beträgt.

DSV: Alles gut bis auf Hinz' Stehend-Anschlag

Das DSV-Quartett lieferte einen guten Wettkampf ab und wurde Vierter. Leider war das, was zum perfekten Wettkampf fehlte, entscheidend, dass man das Podium erneut verpasste. Karolin Horchler mit nur einem Nachlader hielt den Anschluss an die Spitze. Franziska Preuß blieb liegend fehlerfrei, stürzte zwar auf der Strecke, verlor aber kaum Zeit. Umso mehr machte sie mit ihrem superschnellen makellosen Stehend-Anschlag gut. Als zweite schickte sie Vanessa Hinz auf die Reise, die nach einem einwandfreien Liegendschießen sogar die Führung übernahm. Stehend aber folgte der Alptraum eines jeden Biathleten. Vor ihrem Heimpublikum ließ sie trotz dreier Nachlader zwei Scheiben stehen. Nach zwei Strafrunden war Deutschland nicht mehr Erster, sondern Achter. Denise Herrmann blieb als Schlussläuferin fehlerfrei und machte noch vier Plätze gut. „Ich plädiere dafür, dass auf eine verpatzte Generalprobe eine gute WM-Staffel folgt“, so Herrmann, die mit der am Boden zerstörten Vanessa Hinz mitfühlte.

Hanna Oeberg rettete den fünften Platz knapp vor der Ukraine. Bei den Schwedinnen, die mit Außenseiterchancen an den Start gingen, handelte sich bereits Startläuferin Anna Magnusson einen Rückstand von über einer Minute ein. 

Hier gibt es die komplette Ergebnisliste