Fünfter Saisonsieg für Tiril Eckhoff

Mittwoch, Januar 15, 2020

Tiril Eckhoff setzte gestern beim Sprint in Ruhpolding ihre Erfolgsserie fort und eroberte mit ihrem elften Weltcup-Sieg zum ersten Mal in ihrer Karriere das gelbe Trikot. Mit einer halben Minute Rückstand wurde Hanna Oeberg Zweite vor Dorothea Wierer, deren dritter Platz nicht reichte, die Weltcup-Führung zu verteidigen. 

Tiril Eckhoff bestätigte eindrucksvoll ihre herausragende Form in diesem Winter. Nun hat sie seit dem 15. Dezember bei acht Wettkämpfen fünf Siege eingefahren. Für die anderen sechs Siege brauchte sie zuvor fast fünf Jahre. „Gelb ist meine Lieblingsfarbe“, bekannte die stets gut gelaunte Norwegerin nach dem Wettkampf mit einem breiten Grinsen. Lange musste die 29-Jährige darauf warten, es endlich auch einmal überstreifen zu dürfen. „Heute war für mich ein perfekter Tag. Die Bedingungen waren sehr gut. Wenn man Erfolg hat, hat man mehr Selbstvertrauen, dann trifft man die Scheiben bei jedem Wetter.“

Krankheit überwunden: Oeberg wird Zweite 

Die Schwedin Hanna Oeberg bestieg nach dem Verfolger in Hochfilzen zum zweiten Mal in dieser Saison als Zweite das Podest. Sie blieb am Schießstand wie 20 weitere Starterinnen am Schießstand makellos und konnte auch läuferisch überzeugen. „Ich wusste vor dem Rennen, dass man in Ruhpolding nicht nur fehlerfrei bleiben, sondern auch schnell sein muss, auf der Strecke und am Schießstand. Das konnte ich ganz gut umsetzen.“ Dass auch sie nicht an Tiril Eckhoff vorbeikam, störte sie nicht weiter. Sie war in erster Linie froh darüber, dass sie ihre Krankheit vor Weihnachten überwunden hat und nah an ihrer Topform ist. „Jetzt bin ich wieder da, wo ich im letzten Winter schon war, und da will ich natürlich auch bleiben.“

Wierer verliert gelb, behält aber rot

Dritte wurde Dorothea Wierer, die trotz des Stockerlplatzes das gelbe Trikot an Eckhoff verlor. Trotzdem war sie mit dem Wettkampf sehr zufrieden. „Gestern wusste ich noch gar nicht, ob ich an den Start gehen kann, weil ich wie schon im Sommer mit Bandscheibenproblemen zu kämpfen hatte“, berichtete sie im Anschluss. Deshalb war es richtig gut, dass ich zweimal fehlerfrei geschossen habe. „In der dritten Runde habe ich aber gespürt, dass es nicht mehr so gut lief.“ Wann sie wieder ins gelbe Trikot schlüpft? „Tiril ist derzeit so gut. Ich muss selbst alles treffen und muss hoffen, dass Tiril daneben schießt.“ Ein Trost bleibt Dorothea Wierer aber. Das rote Sprint-Trikot behält sie mit 35 Punkten Vorsprung.

Für die Sensation des Wettkampfs sorgte eine Weißrussin. Hanna Sola verpasste zwar das Podest, könnte aber möglicherweise die glücklichste Athletin von allen gewesen sein. Denn mit dem vierten Platz verbesserte sie ihr bestes Weltcup-Resultat um sage und schreibe 26 Plätze. Der 30. Rang in Hochfilzen war bis gestern ihre beste Platzierung. 

Vanessa Hinz: Fehlerfrei Achte 

Ganz so weit vorne landete Vanessa Hinz zwar nicht, als Achte verbuchte aber auch sie ihr bestes Saisonresultat: „Ich bin total erleichtert. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal zweimal fehlerfrei geblieben bin. Endlich habe ich das, was ich im Training zeige, auch im Wettkampf umgesetzt.“ Sie habe sich vor dem Wettkampf schon selbst Druck gemacht, denn sie wusste, dass sie sich mit der derzeitigen Laufform keine Strafrunde leisten konnte. Die Zuschauer, die sie frenetisch anfeuerten, machten sie dagegen nicht nervös. „Im Gegenteil. Ich versuche, die Stimmung hier auf meiner Heimstrecke aufzusaugen. Das pusht mich.“

Zufrieden mit ihrer Leistung war auch die zweite Lokalmatadorin Franziska Preuß, die ebenfalls zweimal ohne Fehlschuss blieb. Dass sie nach ihrer Krankheit läuferisch noch nicht in Topform ist, war im Prinzip schon vor dem Wettkampf klar. „Beim Laufen spüre ich noch sehr, wie hart mir das Renntempo fällt.“

Rückschlag für Denise Herrmann

Denise Herrmann kam mit den Laborbedingungen am wenigsten zurecht. „Drei Schießfehler sind hier einfach zu viel. Wenn der erste Schuss daneben geht, weiß man, nun darf man sich keinen Fehler leisten. Das hat mich vielleicht verunsichert. Eventuell bin ich das Rennen auch etwas zu schnell angegangen.“ Unter dem Strich steht der 19. Rang, das ist in Bezug auf ihre jüngsten Leistungen ein kleiner Rückschlag, den sie aber am Sonntag mit einem guten Verfolgungswettkampf vergessen machen kann.

Von den anderen drei deutschen Starterinnen konnte nur Karolin Horchler als 38. noch in die Punkteränge laufen. Maren Hammerschmidt wurde 43. („mit dem Schießen bin ich zufrieden, läuferisch geht es zurzeit zäh.“), Janina Hettich 45.

Hier gibt es noch die komplette Ergebnisliste

Morgen gehen die Männer im Sprint an den Start - hier gibt es die Starterliste