Doppelsieg für Frankreich

Benedikt Doll wird Dritter

Donnerstag, Januar 16, 2020

Martin Fourcade gewinnt den Sprint in Ruhpolding knapp vor seinem Teamkollegen Quentin Fillon Maillet. Als Drittplatzierter nahm Benedikt Doll auf dem Siegerpodest Platz. Für ihn war es das zweite Podium nach seinem Sieg in Le Grand-Bornand. Eine kleine Sensation gelang Philipp Nawrath. Bei seinem ersten Weltcup-Einsatz diese Saison wurde er Siebter. 

 

Nicht wie sonst üblich die Norweger dominierten den Sprint in der Chiemgau-Arena, diesmal waren Franzosen und Deutsche diejenigen, die dem Rennen den Stempel aufdrückten. Vier Biathleten der Équipe Tricolore und drei DSV-Männer landeten gestern unter den besten neun. Allein Vetle Sjastad Christiansen konnte die norwegischen Farben als Vierter hochhalten. Als Achter brach auch der Ukrainer Artem Pryma in die Phalanx ein. Den letzten Top-Ten-Platz eroberte dessen Landsman Dmytro Pidruchnyi. 

 

Dritter Sieg in Serie für Fourcade

Die großen Gewinner aber kommen aus Frankreich. Martin Fourcade siegte zum dritten Mal in Folge auf deutschem Boden, der sich als gutes Pflaster für ihn erweist. Ohne den übermächtigen Konkurrenten Johannes Thingnes Boe fällt es Fourcade offenbar viel leichter, sein Potenzial abzurufen, vor allem in mentaler Hinsicht. Plötzlich ist in ihm wieder der Glaube an sich selbst da, der zwischendurch, vor allem vergangenen Saison, verloren war. Das gelbe Trikot, das über Jahre wie eine zweite Haut auf seinem Rennanzug klebte und das er nun wieder bei jedem Wettkampf überstreifen darf, scheint ihm hier in Ruhpolding zusätzliches Selbstvertrauen zu verleihen. Und ein dritter Aspekt kommt hinzu: die Erfahrung, wie mühsam der Weg zurück auf die Siegerstraße war, wie wichtig es war, familiären Rückhalt in dieser schwierigen Phase zu haben, und wie schön es ist zu gewinnen. „Zu Hause bei meiner Frau und meinen Kindern konnte ich immer wieder Kraft tanken.“ 

 

Quentin Fillon Maillet knapp geschlagen

Den Sieg gestern musste er sich aber schwer erkämpfen. Sein Vorsprung auf seinen Teamkollegen Quentin Fillon Maillet betrug nur drei Sekunden. Wäre er nicht ständig über die Zeiten seines Widersachers informiert gewesen, da dieser wenige Minuten zuvor durch die Schlussrunde raste – wer weiß, aber ihn noch hätte abfangen können. Fillon Maillet beschwerte sich nicht: „Hier in Ruhpolding kämpft beim Sprint jeder für sich um jede Sekunde.“ Nach den eher schwachen Ergebnissen in Oberhof, wo er mit den Plätzen 19 und 16 seine schlechtesten Saisonresultate ablieferte, folgte nun in Ruhpolding sein vierter Podiumsplatz. Dem 27-jährigen Franzosen fehlt in diesem Winter noch noch der Sieg. 

 

Doll zweimal fehlerfrei

Mit dem dritten Platz schaffte Benedikt Doll zum zweiten Mal in dieser Saison den Sprung aufs Siegertreppchen. Damit wiederholte er den dritten Platz, den er vor einem Jahr in der Chiemgau-Arena feiern konnte. „Ich jammere auf hohem Niveau, denn der Wettkampf war nahezu perfekt. Den Rückstand habe ich mir vermutlich im Schießstand eingehandelt. Ich habe einmal nachjustiert und vielleicht zu langsam geschossen.“ Insgesamt war er aber vollauf zufrieden. Zweimal fehlerfrei zu bleiben, gelingt Benedikt Doll schließlich auch nicht alle Tage. „Bei der Anfahrt zum Schießstand hatte ich heute ein komisches Gefühl der Leichtigkeit. Das war so ungewohnt, dass es mich gemahnt hat, mich noch einmal voll zu konzentrieren.“ 

 

Geschlossene Teamleistung der DSV-Herren

Das gute Ergebnis von Benedikt Doll wurde umrahmt von durchwegs guten Leistungen seiner DSV-Kollegen. Philipp Nawrath erfüllte bei seinem ersten Weltcup-Einsatz in diesem Winter mit Platz sieben auf Anhieb die Kriterien für die WM-Nominierung und lag nicht einmal drei Sekunden hinter dem Vierten Christiansen. „Ich wusste, dass ich gut drauf bin und war auf meiner Heimstrecke voll motiviert“, bilanzierte der Nesselwanger, der seit sechs Jahren in Ruhpolding lebt.

 

Nur zwei Plätze dahinter rangierte Johannes Kühn. Ein Fehlschuss kostete dem Lokalmatador, der aus dem nicht weit entfernten Tüßling bei Altötting stammt, den Sprung aufs Podium. Auch der zweite Debütant dieser Saison, Roman Rees, lieferte ein starkes Rennen mit Platz 19 ab. Auch er blieb wie Doll und Nawrath fehlerfrei. Arnd Peiffer leistete sich stehend zwei Fehlschüsse: „Ich habe unsauber geschossen. Ich habe mich gefragt, wie das passieren konnte, aber da war es natürlich schon zu spät. Und das wird mich schon noch eine Weile ärgern.“ Zu Recht, denn bis zum Stehendanschlag war auch er auf Kurs Richtung Podest. Dass Philipp Horn als 24. Tarjei Boe (28.) hinter sich lassen konnte, wird ihm nur ein schwacher Trost sein. Nach seinem besten Weltcup-Ergebnis in Oberhof mit Platz sechs, war dies ein kleiner Rückschlag: „Jeder Fehlschuss kostet hier fast zehn Plätze“. Hier in Ruhpolding waren es zwei, wodurch das Ergebnis bereits hinreichend geklärt ist. 

 

Martin Fourcade hat mit dem Sieg auch das rote Trikot der Disziplin-Wertung erobert. Dahinter rangieren Simon Desthieux und Alexander Loginov.

Hier gibt es die komplette Ergebnisliste