Boe vor Boe und Doll

Johannes Thingnes Boe ist einfach nicht zu stoppen. Auch beim Sprintwettkampf in Ruhpolding ließ er der gesamten Konkurrenz das Nachsehe

Donnerstag, Januar 17, 2019

Am nächsten kam ihm sein Bruder Tarjej mit acht Sekunden Rückstand. Zwei weitere Sekunden langsamer überquerte Benedikt Doll die Ziellinie und wurde Dritter

 

Mit seinem achten Sieg im elften Wettkampf unterstrich Johannes Thingnes Boe seine klare Führungsrolle in diesem Winter. Trotz Fehlschusses ließ er bei nahezu idealen Bedingungen die Konkurrenz hinter sich. Diesmal aber war es keine klare Angelegenheit. Nach dem zweiten Schießen hatte er noch gut vier Sekunden Rückstand auf seinen Bruder Tarjei, der mit Nummer vier ins Rennen ging, zweimal fehlerfrei blieb und im Ziel lange die Führung innehatte. „Ich wusste natürlich Bescheid“, so Johannes Thingnes Boe, „und dachte, dass Tarjei heute nur sehr schwer zu schlagen sein wird.“ Aber der schnellste Mann in dieser Saison warf alles in die Waagschale und landete am Ende doch wieder da, wo er meistens in dieser Saison landet: auf Platz 1. „Ein Sieg ist immer etwas Besonderes. Und die Freude daran auch immer groß.“ Dem Bruder hätte er den Sieg aber auch gegönnt. „Wir machen viel zusammen, sind nicht nur den ganzen Winter gemeinsam unterwegs und freuen uns natürlich auch immer gegenseitig über die Erfolge des Bruders.“

Zehn Treffer genügen Tarjei nicht zum Sieg

Johannes hat als Sieger leicht reden, aber Tarjei wusste ja schon vor acht Jahren, als er den Gesamt-Weltcup gewann, dass er einen jüngeren Bruder hat, „der noch viel besser ist als ich.“ Inzwischen sei das Niveau insgesamt deutlich gestiegen. „Ich weiß, ich muss zehnmal treffen, um eine Chance auf den Sieg zu haben. Heute lief es wirklich gut. Aber mir war natürlich auch klar, dass Johannes noch kommen würde. Aber lieber wäre es mir schon gewesen, ich hätte gewonnen und Johannes wäre Zweiter geworden.“

Doll mit zweitschnellster Laufzeit

Mit Rang drei, nach dem dritten Platz in Hochfilzen sein zweiter Podiumsplatz in dieser Saison, zeigte sich Benedikt Doll auch voll zufrieden, „super Publikum, super Ski“. Nur einen Haken hatte die Sache dann doch. Ein Schuss ging wieder mal daneben. „Ich darf beim Schießen nicht zu lange warten, sonst fange ich an nachzudenken. Dass es wieder der letzte war, ist schon ein bisschen ärgerlich“, so Doll. Dass er mit der zweitbesten Laufzeit nur knapp 15 Sekunden hinter Johannes Thingnes Boe lag, stimmte ihn auch zuversichtlich: „Am Anfang der Saison waren wir 50 Sekunden langsamer. Wir sind näher herangerückt.“

Fourcade vor Loginov

Wieder keinen Podestplatz gab es für Martin Fourcade, der trotz fehlerfreien Schießens auf Platz vier landete. Man muss sich als Zuschauer erst noch daran gewöhnen, dass der siebenmalige Weltcup-Sieger die Szenerie nicht mehr beherrscht. Ihm selbst wird es vermutlich nicht anders gehen. Fünfter mit einem Fehlschuss wurde Alexander Loginov. Der Russe behält seine zweiten Plätze im Gesamt-Weltcup und in der Sprintwertung.

Kühn starker Siebter

Ebenfalls einmal daneben schoss Johannes Kühn, der aber einen hervorragenden siebten Platz belegte. „Schade um den einen Schuss“, gestand er nach dem Rennen. „Ich hörte die Zuschauer ,schneller' rufen und habe mich dadurch verleiten lassen. Beim letzten Schuss habe ich mich noch einmal richtig zusammengenommen und ihn Gott sei Dank getroffen. Mit zwei Fehlschüssen ist man dann gleich 25.“ So war es, nach dem zweiten Platz im Einzel von Pokljuka sein zweitbestes Saisonergebnis und deshalb auch vollauf zufrieden.

Auch die anderen Deutschen waren mit ihren Rennen zufrieden. Philipp Horn (43./1 Fehler), der den Wettkampf mit der Nummer eins eröffnete, hätte sich läuferisch gerne etwas besser präsentiert, Roman Rees blieb als 32. fehlerfrei und sammelte ebenso Weltcup-Punkte wie Philipp Nawrath, der mit einem Fehlschuss 30. wurde.

Letztes Einzelrennen für Michael Rösch

Der siebte Deutsche im Wettkampf war Michael Rösch, der vor fast genau 13 Jahren (15. Januar 2006) hier in Ruhpolding beim Verfolger seinen ersten von zwei Weltcup-Siegen feierte. Er bestritt gestern sein letztes Rennen als Einzelkämpfer und wurde 84. „Bis morgen bin ich Vollprofi und so bin ich auch in den Wettkampf gegangen. Es heißt ja ,Leistungssport', doch von Leistung kann man bei mir nur noch bedingt sprechen. Ich freue mich zwar auf die Staffel morgen, bin aber insgesamt froh, dass ich mich für den Rücktritt entschieden habe“, so der 35-Jährige, der seit 2014 für Belgien startet. „Ich konnte heute Nacht kaum schlafen. Die ganze Familie ist hier, ich war so aufgeregt. Vielleicht trinke ich heute drei Bier. Das soll ja angeblich helfen.“ Denn mit der Staffel heute ist endgültig Schluss mit dem Weltcup-Biathleten Michael Rösch.