Es war das Jahr 1964. Da bewarb sich der Ski-Club Ruhpolding um ein Skisport-Leistungszentrum. Vorsitzender des Vereins war damals der spätere Bürgermeister Herbert Ohl. Auf Anforderung des Deutschen Skiverbandes legte im Jahre 1965 die Gemeinde Ruhpolding dann die entsprechenden Unterlagen vor. Darauf hin sah ein Planungsvorschlag des Bayerischen Skiverbandes aus dem Jahre 1968 die Errichtung eines „regionalen Leistungszentrums“ in Ruhpolding vor, worauf 1969 die Gemeinde ihre Bewerbung erneuerte. Im April 1972 bewarben sich die Gemeinde und der Ski-Club gemeinsam beim Bayerischen und Deutschen Skiverband um ein „Bundesleistungszentrum für Biathlon“ und im Jahr darauf wurde Ruhpolding als Standort für ein „Landesleistungszentrum für Biathlon“ im Bereich der Zirmbergschanzen festgelegt. Nach schwierigen Verhandlungen zur Baugenehmigung unter Bürgermeister Franz Schneider konnte 1977 endlich mit dem Bau der ersten Loipen begonnen werden. Im Hinblick auf die Biathlon-Weltmeisterschaften, die Ruhpolding 1979 zum ersten Mal ausrichten durfte, wurde der bis dahin provisorische Schießstand auf 30 Stände erweitert.
Wie die folgenden Jahre bewiesen, bewährte sich das Biathlon-Leistungszentrum bei den Trainingsvorbereitungen der deutschen Nationalmannschaft immer mehr. Medaillenränge der deutschen Biathleten bei Olympiaden und Weltmeisterschaften wurden „fast schon normal“. Ruhpolding hat sich mit dieser Anlage und den seit 1980 jährlich stattfindenden Biathlon-Weltcup-Veranstaltungen international einen guten Ruf erworben.
Im Februar 1984 beantragte die Gemeinde Ruhpolding beim Bundesinnenministerium die Anerkennung als „Bundesleistungszentrum“, was 1985 nach Beteiligung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages und des Deutschen Sportbundes unter der Voraussetzung der Erfüllung einiger Auflagen erfolgte. Somit konnten auch Fördermittel zugewiesen werden.
Für die im Jahre 1985 anstehende Biathlon-Weltmeisterschaft, die damals bereits ein so großer Erfolg war, dass nicht einmal der vom Bund bewilligte Zuschuss in Anspruch genommen werden musste, wurden erforderliche Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt. Die Schießstände wurden ebenso erneuert wie drei Brückenbauwerke, und der Zuschauerwall wurde erweitert.
1990 wurde dann Herbert Fritzenwenger Leiter des Bundesleistungszentrums und 1993 konnte Ruhpolding die Biathlon-Junioren-Weltmeisterschaften ausrichten.
1996 erhielt dann das Bayerische Biathlon-Mekka bereits zum dritten Mal den Zuschlag für die Weltmeisterschaften. Dafür waren im Vorfeld wieder einige Baumaßnahmen erforderlich. Der Start- Zielbereich wurde in das Schießstadion verlegt, die Handicap-Runde musste neu angelegt werden, eine Vergrößerung und die Neugestaltung des Zuschauerwalls wurde erforderlich, sowie der Neubau von Loipenbrücken und der der Bau des Zuganges zum Stadion fertig gestellt. Die Weltmeisterschaften waren nicht nur ein hervorragendes Sportereignis, sondern fanden auch ein enormes Medienecho. Die offiziellen Vertreter des Sportes waren von der Atmosphäre und von der reibungslosen Organisation voll des Lobes. Dem begeisterungsfähigen Publikum wurde damals einstimmig von der Deutschen Olympischen Gesellschaft der „Fair-Play-Preis“ verliehen. Noch im selben Jahr übernahm Engelbert Schweiger die Leitung des Bundesleistungszentrums.
In den folgenden Jahren wurden dann weitere Baumaßnahmen durchgeführt. So bekam die Skirollerstrecke eine Flutlichtanlage, 2004 wurde die Streckenführung verbessert und die Loipen verbreitert. 2005 dann der Schießplatz auf 30 hoch moderne Stände erweitert. In diesem Jahr hat sich eine Zusatztribüne bereits bestens bewährt. Dadurch konnte die Kapazität allein im Stadion auf 7500 Zuschauer erweitert werden.
Das Bundesleistungszentrum entwickelte sich wegen der Schanzenanlage und der verbesserten Skirollerstrecken zu einem Leistungszentrum für den Nordischen Skisport. Im Jahre 1997 wurde schließlich das Bundesleistungszentrum Biathlon vom Bundesministerium des Inneren in Abstimmung mit dem Deutschen Sportbund und dem Skiverband, in „Bundesleistungszentrum Ski Ruhpolding/Berchtesgaden“ umbenannt und heißt mittlerweile „Olympiastützpunkt Bayern – Regionalzentrum Chiemgau/Berchtesgadener Land – Trainingszentrum Ruhpolding für Biathlon und Ski Nordisch“.
Jährlich folgten große Weltcupveranstaltungen, bei denen pro Tag bis zu 22.000 Zuschauer in das Mekka am Fuße des Zirmberges pilgerten. Die Organisation wurde immer perfekter, das Medieninteresse immer größer. Und dann wurde Ruhpolding 2008 nach 1993 erneut Austragungsort für die Juniorenweltmeisterschaft. „So was wie in Ruhpolding haben wir noch nie erlebt“, oder „das war eine super organisierte Weltmeisterschaft“ war der übereinstimmende internationale Tenor nach Ende der Wettkämpfe. Mit zur Stimmung unter den zahlreichen Zuschauern beigetragen hat sicher auch der Erfolg der deutschen Mannschaft. Gleich 17 Medaillen konnten die Nachwuchsbiathleten erringen – acht Gold-, sechs Silber-, und drei Bronzemedaillen. Was für eine Empfehlung für eine erfolgreiche Bewerbung zur Austragung der Biathlonweltmeisterschaft 2012.
Riesengroß war der Jubel im September 2008 bei der deutschen Bewerbungsdelegation in Prag und bei den Fans in der Heimat, als die Internationale Biathlon Union bekannt gab, dass Ruhpolding als Austragungsort für die Weltmeisterschaft 2012 auserkoren wurde. Doch damit ist jetzt natürlich auch viel Arbeit verbunden. Die „Chiemgau Arena“ wird derzeit grundlegend nach den modernsten Erfordernissen der IBU umgebaut, der Kostenaufwand dafür beträgt rund 16 Millionen Euro. Und das Erfreuliche dabei: Bisher konnte der Zeit- und Kostenplan eingehalten werden.
Und wie sieht es mit der Zukunft aus? Zunächst wird 2011 – dann auf der neuen Anlage – wieder ein Biahtlonweltcup stattfinden, eine erste große Bewährungsprobe für die „Chiemgau Arena“ im Hinblick auf die WM 2012. Und die Chancen, doch noch als sportlicher Austragungsort für eventuelle Olympische Winterspiele 2018 mit berücksichtigt zu werden? Abwarten heißt die Devise – der Olympiazug für Ruhpolding ist vielleicht doch noch nicht abgefahren!
